
Ein lauer Abend. Ich bin am Nachhauseweg. Biege um die Ecke und möchte die Treppe nach unten nehmen, die zum Donauufer führt, als mir unvermutet ein Mädchen mit geschultertem Rennrad entgegen kommt. Ich schaue sie an. Mache einen überraschten Gesichtsausdruck. Sie schaut mich an. Und nimmt meinen überraschten Gesichtsausdruck mit einem Lächeln wahr. Dann ist sie an mir vorbei und ich an ihr. Auf dem weiteren Nachhauseweg, entlang der fließenden Donau, mache ich mir Gedanken. Über diese Begegnung. Und erinnere mich an all die gut gemeinten Ratschläge, immer mit einem Lächeln durch die Welt zu gehen und jedem eines zu schenken. Aber wohin würde das führen? Würde dadurch nicht das Besondere entwertet? Ein Vergleich drängt sich förmlich auf, muss hier genannt werden: es ist, als würde man jeden LIKE-Button in Facebook anklicken, der einem über den virtuellen Weg liefe. Anfänglich würde sich der „Gemochte“ freuen, aber wenn er erführe, dass man jeden LIKE-Button anklickte, würde diese Freude schnell verebben. Genauso würde es mir gehen, wenn dieses Mädchen mit dem Rad jeden anlächelte. Der Zauber, die Illusion, sie wären mit einem Male dahin. Ein zweiter Gedanke kommt mir ebenfalls in den Sinn. Dieses Mädchen, dieses Lächeln hat zu diesem Beitrag geführt. Wäre es denkbar, frage ich, dass man selbst einmal Auslöser einer inspirativen Kraft war? Ohne es zu wissen, hat man einem unbekannten Menschen zu einem kreativen Impuls verholfen. Freilich, es mag unwahrscheinlich sein und wir würden es nie erfahren, wenn es denn so wäre, aber eines ist es in jedem Fall: tröstlich. Und das ist schön.
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