Südafrika : Mexiko 1:1
Irgendwie, ich geb’s zu, bin ich nicht sonderlich in WM-Stimmung. War das früher nicht anders? Intensiver? Heftiger? Packender? Vielleicht. Jedenfalls konnte das Auftaktspiel überzeugen. Kein stumpfes, emotionsloses Herumgekicke, wie es Stunden später die Franzosen und die Urus machten. Südafrika – was lastet nur für ein Druck auf dieser Mannschaft? – begann verhalten, zaghaft, ängstlich und nervös. Die Mexikaner dagegen – Aztekische Überheblichkeit in Köpfen und Beinen – spielten die erste Halbzeit souverän herunter, wenngleich es an letztem Einsatz mangelte. Für die Südafrikaner sah es düster aus, ja, man musste vermuten, dass sie unter die mexikanischen Räder kommen. Aber irgendwie schafften es die Gastgeber, ungeschoren in die Pause zu gehen und wie verwandelt herauszukommen. Da war plötzlich ein giftiger Biss zu spüren, ein Wollen, ein Zwicken, ein Drängen. Nur dann ist Fußball wirklich ein Leckerbissen. Wenn die Emotionen hochgehen, wenn jeder mitgerissen wird. Da ist das Endergebnis (fast) egal. Und hätte in der letzten Minute nicht die Stange den Sieg verhindert, ganz Südafrika würde wohl noch heute jubeln.
Frankreich : Uruquay 0:0
Meine Güte. Was für eine blamable Vorstellung der Franzosen. Wieder einmal. Diese großen Kicker der Grande Nation spielen Fußball, als würden sie nicht wissen, wie’s geht: einfallslos bis zum Erbrechen, statisch bis zum Wehtun. Man spürt förmlich diese sonderbare schwere Last auf ihren Schultern, die sie allesamt träge und vorsichtig macht, die ihnen jeden Zauber nimmt. Oui, die Franzosen sind schon seit langem eine bittere Enttäuschung. Wo sind die Zeiten hin, als die Spieler noch Klasse und Charakter hatten? Zidane? Barthez? Deschampes? Thuram? Da waren die Franzosen wirklich groß. Und heute? Nur noch ein müder Schatten, geführt von einem Oberlehrer, der ihnen jede Traumtänzerei nimmt. Und Uruguay? Ach ja, die spielten, besser: mauerten, ja auch. Mannschaften, die nicht in Schönheit zu sterben wissen, sondern nur auf Resultate spielen, gehörten öffentlich ausgepeitscht. Was waren das für Momente, als ein junger Ernst Happel seinen eigenen Tormann mit einem Schuss prüfte, weil einerseits das Spiel längst entschieden und andererseits ihm recht fad war. Gut, gut, heute geht es um sooo viel mehr – im Fußball, wie im Entertainment-Zirkus. Viel Geld. Viel Prestige. Viel Zukunft. Und wer möchte sich schon seiner Zukunft berauben? Eben.
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