Slowakei : Parguay 0 : 2
Bis zum ersten Tor der Südamerikaner war es ein munteres Spielchen, was natürlich damit zusammen hängt, dass Paraguay die Entscheidung suchte und mit extremen Pressing die Slowaken ziemlich in Bedrängnis brachte. Daraus resultierte dann der entscheidende Abspielfehler eines Slowaken (war’s Skrtel?), der zum Tor führte. Ab diesem Zeitpunkt schaltete Paraguay einen Gang zurück. Resultat. Es war zum Einschlafen. Weil die Slowaken kein Mittel fanden, sich gegen das Pressing zu wehren. So versandeten ihre Angriffsbemühungen am Mittelkreis. Enttäuschend. Wahrlich. Der Torhüter von Paraguay hatte in 90 Minuten einen gefährlichen Ball zu halten: einen scharfen Rückpass. Erst in der Nachspielzeit – da stand es bereits 2 : 0 und die Partie war längst entschieden – da durfte sich Villa nach dem Ball strecken, weil man die Slowaken schießen ließ. Aber das war’s dann auch wieder. Somit steht Paraguay im Achtelfinale (es sei denn, sie geben sich eine blamable Blöße gegen Neuseeland, aber, nein, das schaffen scheinbar nur die Slowaken) und für die Slowakei gibt es nun ein tatsächliches Endspiel. Gegen Italien. Huh. Das stell ich mir interessant vor. Ich gehe davon aus, dass sich die Slowaken gegen eine europäische Mannschaft leichter tun. Und die Italiener? Schauen wir mal, wie schwer sie sich mit Neuseeland tun, dann reden wir weiter. Zu guter Letzt würde ich Cristian Riveros allen Mannschaften ans Herz legen, wenn es darum geht, Schusstechnik zu üben. Sein Hammer von der Strafraumgrenze ins lange Eck, halb hoch, war unhaltbar und zeigt, dass man den Ball nicht immer nur drei Meilen übers Tor knallen muss.
Italien : Neuseeland 1 : 1
Hier spielte bitteschön der Weltmeister von 2006! Ideenlos bis zum Erbrechen. Kreativität gleich Null. Bewegung? Keine! Es dominierte bei ihnen nur eine nervöse Hektik, während der WM-Neuling Neuseeland abgeklärt und ruhig die Partie nach Hause spielte. Ich schätze, die Kiwis haben die Fußballer aus ihren Rugby-Teams abgeworben. Oder gab es eine landesweite Suche nach Spielern, die größer als 1,90 m sind und Telefonbücher zerreißen können? Gegen die Slowakei sind mir diese neuseeländischen Recken gar nicht so sehr aufgefallen. Wie wird das erst sein, wenn die kleinen Spieler aus Paraguay im nächsten Spiel auf diese Riesen treffen? Huh. Aber bleiben wir zuvor noch bei den Italienern, die nun ein Entscheidungsspiel gegen die Slowaken haben. Am Donnerstag geht es für sie um alles oder nichts. Wie so oft. Ob sie diesmal den Kopf aus der Schlinge werden ziehen können? Ihr Glück, dass die Slowakei jenseits einer annehmbaren Form spielt und sich vielleicht vom Namen „Italien“ blenden lässt (im Gegensatz zu den Neuseeländern, die keinerlei Ehrfurcht zeigten, ganz im Gegenteil). Ich meine ja, dass beim Fußball viel im Kopf der Spieler entschieden wird. Wer Angst zeigt, reagiert zögerlich. Wer Stärke demonstriert, agiert konsequent. Italien hat sich weder im ersten Spiel (obwohl offensiv aufgestellt!), noch im zweiten weltmeisterlich gezeigt. Gut, das ist natürlich keine Voraussetzung, um ins Achtelfinale zu kommen, aber es sollte einen schon zu denken geben. Im Besonderen, dass diese Mannschaft keine Mannschaft ist. Seltsam, spielen doch einige beim selben Verein (Juventus) und kennen sich bestens. Fehlt wirklich nur ihr Spielmacher (Pirlo) und ist das der Grund für ihr jämmerliches Spiel? Nein, mitnichten. Es fängt schon damit an, dass sie dieses alte Spielprinzip praktizieren (vermutlich verinnerlicht): Stehfußball mit Pässen oder Flanken in die Spitzen; kaum Bewegung, jeder wartet, bis er angespielt wird und die Defensivspieler rücken nicht auf, weil sie Angst vor dem Konter haben. Ganz anders Paraguay. Die setzen die gegnerische Mannschaft in deren eigenen Hälfte unter Druck und stehen dicht beim Gegenspieler. Aber bevor ich die Italiener gänzlich in den Fußballrasen stampfe, warten wir mal ab, wie sich Paraguay mit Neuseeland tut. Also, ich hätte gemeint, die quirligen, sprintstarken Südamerikaner werden den Neuseeländern ordentlich Schwierigkeiten bereiten. Weil sie auch technisch stark sind und mit Dribblings versuchen, in den Strafraum zu kommen (die Italiener kommen mir in diese Disziplin nicht sonderlich beweglich vor). Denn, eines darf man nicht unter den Tisch fallen lassen: die Neuseeländer könnten mit einem Sieg gegen Paraguay noch ins Achtelfinale aufsteigen. Das klingt natürlich verwegen, aber es ist nicht unmöglich. Immerhin haben sie genauso viele Punkte am Konto wie der Weltmeister von 2006, nämlich zwei und um einen mehr als die Slowakei. Hätte sich das jemand träumen lassen? Nope! That’s football, folks!
Brasilien : Elfenbeinküste 3 : 1
Gähn. Gerade ist die erste Halbzeit zu Ende gegangen und ich dachte mir, ich schreib schon mal vor und unke, dass es ein mäßiges Spiel ist. Also, diese gehypten Brasilianer, sie gehen mir auf den Senkel. Der Glanz vergangener Zeiten, als sie große Fußballspieler hatten, ist längst vorbei. Jetzt heben sie Kaka auf ein Podest, aber ein Genie sieht anders aus, dafür ist er mir zu brav gestrickt. Dass er verletzungsbedingt nicht in Hochform ist, hat ihm auch nicht abgehalten, die Vorlage zum Führungstreffer der Brasilianer zu geben. Das gibt natürlich einen Pluspunkt. Wobei, er hatte doppeltes Ballglück. Also ziehen wir wieder einen Punkt ab. Und der Schuss von Fabiano, also ehrlich, wie oft bringt er so einen Schuss – hart unter die Latte aus spitzem Winkel – zusammen? Ansonsten ist vom Kombinationsspiel der Brasilianer nichts zu sehen. Technik? Fehlanzeige. Auf der anderen Seite agiert die Elfenbeinküste beinahe passiv, wirkt wie unter Drogen. Eigentlich dachte ich, sie würden wie aufgezogen ihr Spiel abspulen. Statt dessen traben sie dem Ball nach. Ich befürchte, die Afrikaner sind in ihrem Spiel zu sehr europäisch (das kommt wohl davon, weil die Spieler allesamt ihr Brot in europäischen Ligen verdienen; und dass sie sich einen mittelmäßigen europäischen Trainer geholt haben, setzt noch eines drauf). Schade. Jetzt bräuchte es Emotion, Kraft und Härte. Sonst brauchte man gleich gar nicht mehr aus der Kabine kommen. Die Brasilianer – analog den Deutschen – haben das Gewinner-Gen in ihrer Erbanlage fest verankert. Sie glauben erst dann, dass sie ein Spiel verloren haben, wenn sie es am nächsten Morgen in der Zeitung lesen. So. Jetzt gucken wir mal die zweite Halbzeit und hoffen inständig, dass die Afrikaner motiviert in die zweite Hälfte starten. Was ihnen fehlt ist das „Auge des Tigers“. Vielleicht hätten sie in einen der Townships Südafrikas trainieren sollen. So. Wir schreiben die 59. Minute und ich bemerke, wie der Ärger in mir hochkocht. Weil die Brasilianer das zweite Tor geschossen haben. Aber wie? Fabiano übergaberlte im Strafraum zwei afrikanische Verteidiger, machte dabei ein Hands, übergaberlte einen dritten Verteidiger, machte noch einmal ein Hands, und schließt trocken ab. Und der Schiedsrichter? Gibt den Treffer. Also, ich weiß nicht, aber mich bringt so etwas auf die Palme. Weil die Brasilianer jetzt das Spiel sicherlich gewinnen werden, daran besteht jetzt wohl kein Zweifel und damit wohl auch für Portugal alles klar gemacht wird. Shit. Da ist auch schon das dritte Tor. Es ist zum Abgewöhnen. Wirklich. Weil die Elfenbeinküste wieder einmal zum Fußballspielen aufgehört hat. Da stehen sie meterweit vom Gegner weg, traben dem Ball gemächlich hinterher und zeigen kaum Emotionen oder den Willen, das Spiel noch zu drehen. Was soll denn das? Im Gegensatz dazu, die Löwen aus Kamerun, die vermutlich DAS Spiel der WM ablieferten und dabei unglücklich gegen Dänemark verloren, aber wie sie kämpften, wie sie alles versuchten, das war und ist noch immer äußerst beeindruckend. Meine Güte, ich hasse diese Spiele, die bereits entschieden sind und wo man nur noch auf den Schlusspfiff wartet. Warum schaltet man dann nicht aus? Nope! Das geht gar nicht! Weil man immer hofft, dass ein magischer Moment geschieht. Erinnern wir uns an das CL-Finale zwischen Liverpool und AC Milan, als die Italiener in der ersten Spielhälfte mit drei Toren führten und eigentlich alles entschieden war. Doch die Engländer glichen in der zweiten Halbzeit aus und gewannen schlussendlich im Elfmeterschießen. Oder die Schlussphase im CL-Finale zwischen Manchester United und Bayern München, in der es die Engländer geschafft haben, in den Schlussminuten das Spiel für sich zu entscheiden. Oder dieser last-minute Treffer, der die Bayern zum Meistertitel schoss und das bereits jubelnde Schalke 04 demütigte. Freilich, solche magischen Momente gibt es wenige, sie sind eine seltene Kostbarkeit. Aha. Die Spieler der Elfenbeinküste versuchen es jetzt mit Härte. Na, das sieht mir ein wenig zu viel des Guten aus. So etwas gehört sich natürlich nicht. Aber ich versteh natürlich deren Frustration. Die spür sogar ich. Elano hat es ziemlich übel erwischt. Derweil hat er noch vor wenigen Minuten über sein Tor gejubelt. HALT. Ehrentreffer? Drogba köpft das 3 : 1 – ein klein wenig keimt Hoffnung auf. Shit. Hätten sie das Tor nicht vor zehn oder zwanzig Minuten machen können? Oder noch in der ersten Hälfte? Es ist ein Jammer. Jetzt geht es nur noch, sagen wir mit der Nachspielzeit 15 Minuten. Oha. Ein Tumult! Jetzt geht’s aber drunter und drüber. Rot für Kaka. Und plötzlich spürt man ein wenig Feuer bei den Afrikanern. Zu spät. Zu spät. Aus und vorbei. Jetzt sind die Brasilianer mit mittelmäßigem Fußball – genauso wie die Oranjes – bereits fix für das Achtelfinale qualifiziert. Damit läuft am Donnerstag eine B-Mannschaft gegen die Portugiesen auf. Na bravo. Und diesen reicht ja ein Unentschieden (wir gehen davon aus, dass sie die Nordkoreaner bezwingen, wobei, geschlagen sind diese zähen Burschen noch lange nicht!). Im schlimmsten Fall tun sich die Brasilianer und die Portugiesen nicht sonderlich weh und erspielen sich ein Unentschieden. Tja. Blöd gelaufen, für die Elfenbeinküste. Aber seien wir ehrlich, mit dieser Stehfußballpartie, so ganz ohne Emotionen, verdienen sie es ja erst gar nicht, weiterzukommen. Da hätt ich ja noch lieber die Nordkoreaner. Die zeigen Herz. Nicht nur Atomraketen.
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