Niederlande : Uruguay 3 : 2
Vermutlich wird man die geflügelte Phrase „ein Spiel dauert 90 Minuten und am Ende gewinnen die Deutschen“ umformulieren müssen. Man ersetze „Deutschen“ mit „Holländer“ und schon ist alles gesagt.
Wie sie es anstellen, ich weiß es nicht. Es zieht sich wie ein orangefarbener Faden durch diese WM: die Holländer spielen einen mäßigen Fußball; wenig Emotion, wenig Witz, wenig Ideen. Die Schnelligkeit, dieser berühmte Zug zum Tor, der sie einst so gefährlich machte, nur noch sporadisch anzutreffen. Den Niederländern reichen zumeist 15 Minuten, in denen sie das Tempo erhöhen, den Druck verstärken und die Chancen suchen. In den restlichen 75 Minuten machen sie dann ihre Tore und entscheiden das Spiel.
Gut. Uruguay, wir wissen es längst, hat im Halbfinale nichts zu suchen gehabt. Statt den Südamerikanern hätte eigentlich Ghana gegen die Oranjes antreten müssen. Meine Güte, was wäre da wohl im Stadion abgegangen? Ganz Afrika wäre Kopf gestanden. Und dann auch noch gegen die ehemaligen Kolonialherren Südafrikas (wobei, so ganz stimmt es nicht; eigentlich hatte die Englische Krone lange Zeit das Sagen, bis die holländischen Siedler, die Buren, sich mit der Englischen Armee anlegten; schlussendlich kapitulierten die Engländer und die Buren hatten das Sagen; was diese dann anstellten, muss an dieser Stelle nicht erläutert werden). Wie dem auch sei, „die Hand Suarez“ hielt Uruguay im Rennen.
Das Spiel war in der ersten Hälfte mau. Dann ein Gewaltschuss von van Bronkhorst, der wie ein Strich in die Kreuzecke einschlägt. Dass die Urus noch vor der Pause den Ausgleich (ebenfalls ein Weitschuss, diesmal von Forlan) machten, freute mich dann doch. Weil ich auf eine spannende zweite Hälfte hoffte. Dass die Holländer nach der Pause die Initiative ergriffen, überraschte mich. Sie spielten druckvoll, versuchten Uruguay in die Defensive zu zwingen. Daraus entstanden gefährliche Situationen. Aber das Tor von Sneijder war wieder einmal äußerst glücklich. Abgefälscht von einem der südamerikanischen Verteidiger findet der Ball den Weg ins Tor. Und keine zwei Minuten später wuchtet Robben seinen Schädel gegen den Ball und bugsiert ihn mustergültig in die linke Ecke. Das war dann wohl die Entscheidung. Die Holländer machten nur noch, was notwendig war. Und wären beinahe bestraft worden. Sie kassierten in der Nachspielzeit den Anschlusstreffer. Für den Ausgleich reichte es dann doch nicht, aber es wurde noch einmal hektisch, im Strafraum der Holländer. Ja, das ist es, was wir sehen wollen: Dramatik! Schade, dass die Urus nicht doch noch den Ausgleich erzielten. Dann könnten wir noch Tage später den Kopf schütteln und sagen: „Ich hätt’s nicht für möglich gehalten!“.
Die Niederländer stehen also im Finale. Verdient haben sie es wohl nicht. Aber bei meinen gestrengen Maßstäben kommt keine Mannschaft gut weg. Immerhin haben sie die Spiele gewonnen. Das ist, was zählt. Immer. Und wie die Tore zustande kommen, interessiert nach dem Schlusspfiff niemanden. Leider.
Wer auch immer gegen die Oranjes im Finale antreten wird, eines ist klar: die Holländer haben das Glück auf ihrer Seite; sie müssen weder gut spielen, noch den Anschein erwecken, gefährlich vors Tor zu kommen; sie bringen irgendwann, irgendwie zumindest einen Treffer zustande. Dagegen hilft keine Betonabwehr, keine taktische Meisterleistung des Gegners. Die Oranjes mit Sneijder, vor allem Sneijder und Robben, vor allem Robben, sind immer für ein Tor gut, auch wenn es nicht den Anschein macht. Man könnte meinen, es ginge nicht mit rechten Dingen zu. Aber da sind sie mit Spanien und Deutschland in guter Gesellschaft. Auch da möchte man seinen Augen nicht trauen. Während sich die Iberer abmühen, mehr schlecht als recht ins Halbinfale ge-villat sind, müllern sich die Deutschen von einem Kantersieg zum nächsten. Verkehrte Welt, fällt einem da ein. Ja, mehr fällt einem im Moment dazu nicht ein.
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