
Ich habe mich sehr lange gegen ein SmartPhone gewehrt, aber die weltlichen Umstände – immer sind es diese, die Ungläubige zum Glauben bringen – ließen mir keine andere Wahl. Seit mehreren Monaten trage ich also ein elektronisches Schweizermesser mit mir herum. Und wahrlich, es spielt alle Stücke und die ganze Klaviatur. In meiner Kindheit, in meiner Jugend, ich hätte alles für so ein Wunderding gegeben. Man stelle sich vor, es gab zu meiner Zeit, in meiner Epoche, öffentliche Telefonzellen auf der Straße und gerade einmal zwei TV-Kanäle für den gefühlt ne Tonne wiegenden Röhrenapparat – später traute ich meinen Augen nicht, als Telekabel in Testgebieten eine Hand voll ausländischer TV-Sender in die Wohnzimmer zauberte. Die „digitale“ Kommunikation lief damals über fest angeschlossene (Viertel-)Telefone der Post – heutzutage kennt man das Ganze unter dem Begriff „Festnetz“ – und die behördlichen Auflagen waren ziemlich streng. Damals verärgerte mich diese Einschränkung – kein Wunder also, wenn ich Anfang der 1990er Jahre ein in Österreich nicht zu habendes US-Schnurlostelefon (samt Anrufbeantworter) bei mir zu Hause „installierte“. Ja, wer damals auf moderne Technik setzen wollte, musste gehörig viel Geld, Geduld und Mut mitbringen. Wahrlich, diese gelebte Vergangenheit fühlt sich wie eine längst vergangene Epoche an, die – so kommt es einem vor – bereits in der Bibel beschrieben ist.
Ich frage mich, ob wir uns als Gesellschaft überhaupt Gedanken machen, was diese revolutionäre Kommunikationstechnologie mit uns und unseren Kindern anstellt? Auch wenn es kein Politiker und Kaufmann gerne hören möchte, aber es gibt da draußen sehr wohl kritische Stimmen bezüglich der Über-Digitalisierung unserer Lebens- und Gehirnwelt. Gehirnforscher Manfred Spitzer ist einer der Kritiker. Aber wirklich Gehör wird ihm nicht geschenkt. Lokalpolitiker brüsten sich viel eher damit, Kindergärten mit Tablets auszurüsten – weil, man möchte ja nicht hinterherhinken, als Gesellschaft, als Staat und ganz vorne in der Job-Liga mitspielen. Von den möglichen negativen Auswirkungen dieser Geräte auf alte und junge Gehirne (und Seelen), davon will niemand etwas wissen und später gewusst haben. Nothing new under the sun.
Was ich nun bemerke, wenn ich mir so mein hübsches SmartPhone angucke, dann ist es diese absolute Erreichbarkeit. Kann man oder frau überhaupt abschalten? Der Punkt ist, dass einem das schlechte und unangenehme Gewissen sofort übermannen oder überfrauen würde, würde man das Telefon – ohne triftigen Grund – für eine Weile stumm schalten. Man stelle sich vor, man versäumte einen lebenswichtigen Anruf – im Positiven wie im Negativen. Es mag unwahrscheinlich sein, leider ist es aber niemals auszuschließen. Und mit dieser (sehr geringen) Wahrscheinlichkeit machen Kaufleute und Politiker ihre Geschäfte. Schlag nach bei der Hai-Phobie, die erst ein Kinofilm (der den Begriff Blockbuster miterfand) in den späten 1970ern auslöste. Davor dachte kein Tourist, der ans Meer reiste, ernsthaft über (zuschnappende) Haie nach.
Wie dem auch sei, diese absolute Erreichbarkeit gepaart mit dem (Herdentier-)Wunsch, zu einer Gruppe zu gehören – schließlich will der Mensch von seinesgleichen anerkannt, akzeptiert und geliebt werden – zwingt den Einzelnen förmlich in eine virtuell-digitale Kommunikationswelt. Für all jene, die nicht mit beiden Beinen fest am Boden stehen, sozusagen geerdet sind – stellt diese virtuelle Gruppenkommunikation eine besondere Belastung dar. Wird die jüngere Generation lernen, diese Herausforderung zu meistern? Natürlich. Genauso wie die Menschheit die Einführung und Verbreitung des Telefons verarbeitet hat. Aber ich fühle instinktiv, dass mit jedem neuen technologischen Schritt ein Teil unseres Mensch-Seins verloren geht. Vielleicht beißt sich hier die Katze in den Schwanz. Vielleicht sehnen wir uns innerlich und unbewusst nach mehr Mensch-Sein und gehen davon aus, es mit jeder Einführung einer neuen Technologie erreichen zu können. Tatsächlich aber ist genau das Gegenteil der Fall.
Wird demnach in ferner Zukunft die Gesellschaft von seelenlosen Smombies heimgesucht werden? Eine gute Frage, die ich leider nicht beantworten kann, ich muss jetzt mal WhatsApp und facebook checken …

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