Als ich seinerzeit Star Wars: Eine neue Hoffnung in einem der Wiener Kinos sah (yep, Holzklappstühle und Papiertickets, die aus einem Büchlein gerissen wurden – 50 öS/7 DM kostete damals der Filmspaß), war ich gerade einmal 10 Jahre jung. Damals wusste ich freilich nichts von der politischen Welt, in der ich all die Cowboy-und-Indianer-Filme nachstellte und die lustigen Comic-Taschenbücher verschlang. Gewiss, eines wusste auch der verspielteste Tagträumer, nämlich, dass es den bösen Osten und den guten Westen gab.
Der Eiserne Vorhang war für unsereins ein ständiger gedanklicher Begleiter. Man lebte mit dieser Grenzziehung und jede politische Diskussion der Erwachsenen führte unweigerlich früher oder später zur Einsicht, dass es uns gut ging, im Westen, in der „freien Welt“ und „die da drüben“ eine Gefahr darstellten. Gottlob, dachte ich und all die anderen, können wir uns auf die NATO verlassen. Ja, sie schützte uns vor dem gefräßigen und gefährlichen Warschauer Pakt (Prüfungsfrage in der Schule: Zähle die jeweiligen Länder auf). Das „westliche Verteidigungsbündnis“ wurde zum Garant des „Friedens“ und aus dem Fernseher (Röhre!), der längst den Altar der Kirche ersetzte, heiligten die neuen Moderatoren-Priester die notwendigen gewalttätigen militärischen Mittel Washingtons und Londons.* Propaganda (Prawda!) gab es selbstverständlich nur im Osten. Wer konnte damals ahnen, dass beispielsweise hinter den „linken“ Terroranschlägen in Italien (überhaupt Europa) ein geheimes Netzwerk der NATO stecken würde? Damals war solch ein Gedanke absurd. Heute weiß man es freilich besser – so man es überhaupt wissen möchte: Siehe Operation Gladio und die Strategie der Spannung.
Neben der Spannung braucht es freilich auch die Entspannung. Gegen Ende der 1970er Jahre erfand sich Hollywood neu und eine grandiose Illusionsmaschine wurde von jungen ambitionierten Filmstudenten förmlich aus dem kalifornischen Sand gehoben – so man die Spielbergsche Mär glauben möchte. In Star Wars brachte Spielbergs Freund George Lucas Gut gegen Böse, Washington gegen Moskau, in moderner und unterhaltsamer Form auf die Leinwand. Wir Kinder hatten keine Chance, uns diesem filmischen Sog zu entziehen. Wir vertrauten unseren Eltern, glaubten, was in der Sonntagszeitung stand, respektierten die (langweiligen) Schulbücher und erachteten die ORF-Nachrichtensendung Zeit im Bild für die absolute Wahrheit. Wie hätte damals ein gewöhnliches Kind gewöhnlicher Eltern über den vorgegebenen politischen und gesellschaftlichen Tellerrand gucken können?
Vier Jahrzehnte später ist alles anders. Der Eiserne Vorhang ist passé, der Warschauer Pakt aufgelöst, die Sowjetunion zu Russland geworden. Die „Guten“ haben über die „Bösen“ gesiegt. Trotzdem ging der „politische Spielfilm“ in Hollywood und Washington weiter. Neue Feinde wurden gesucht und gefunden. Waren es in meiner Kindheit „Kommunisten“ und „sowjetischen Spione“, sind es heute „Terroristen“ und „muslimische Gotteskrieger“, die für Angst und Schrecken in den Köpfen der jungen und älteren Menschen sorgen. Die neuen Star Wars-Filme tun sich mit dieser „asynchronen Kriegsführung“ recht schwer. So erzählen sie nicht mehr vom Kampf „Gut“ gegen „Böse“, sondern von einem undurchsichtigen Konflikt, in dem tölpelhafte Weltraumnazis, inkompetente Rebellenfraktionen (sind das jetzt nicht die Terroristen?), reiche Waffenschieber, die beide Seiten bedienen, alte verbitterte Revolutionäre ohne Hoffnung und junge Menschen, die nicht wissen, was sie wollen, aufeinanderprallen. Der Film Star Wars: Die letzten Jedis (2017) zeigt, dass die politische Welt einem kleinen Jungen, einem kleinen Mädchen, nicht mehr verständlich gemacht werden kann – also setzt Hollywood nur noch auf 3D-Feeling, Spezialeffekte und kulturmarxistischen Kampfparolen: „Wir sind alle gleich und wer sich gegen diesen Grundsatz auflehnt, wird gleicher gemacht!“ (Sind die imperialen Sturmtruppler nicht das Ideal solch einer ausnahmslosen Gleichmacherei?)
Meine große Hoffnung, die ich im Moment hege und pflege, ist die, dass sich die Generation Internet und die Generation Smartphone still und heimlich gegen diesen autoritären Kulturmarxismsus, der den Menschen vorgibt, was sie zu denken haben, auflehnt und die ausgetretenen Pfade verlässt. Mit Rapper Kanye West wurde vor kurzem die liberale Elite in den USA vor den Kopf gestoßen, da sich der schwarzafrikanische Rapper auf die Seite von Donald Trump stellte und Barack Obama für die Gewaltexzesse in Chicago (Drogenkriminalität) mit in die Verantwortung nahm (Tweet). Nun möchte Kanye West auch noch politisch mitmischen und die Menschen aufrütteln:

Vielleicht finden diese Generationen die technischen Mittel und gesellschaftlichen Wege, um einer zukünftigen orwellschen Weltordnung friedlich entgegenzuwirken. Wenn wir Glück haben, werden diese jungen Menschen später einmal dem politischen und medialen Mainstream auf eine Weise misstrauen, dass es die Elite als nötig erachtet, einen Neuanfang wagen zu müssen – mit unbestimmtem Erfolg. Ja, darin wurzelt die Saat einer möglichen zweiten Aufklärung.
Gewiss, die imperiale Elite – damals wie heute, heute wie morgen – ist bestrebt, jede Rebellion im Keim zu ersticken oder für ihre Dienste nutzbar zu machen („Komm auf die Seite der dunklen Macht!“). In wenigen Jahren könnte das Internet bereits bis in die letzte Ecke reguliert und überwacht sein. Schon jetzt sehen wir Bots, die Kommentare nach gewissen Vorgaben prüfen, Inhalte, die gegen „Community-Richtlinien“ verstoßen, löschen und die Profile und Kanäle von unliebsamen Querulanten kündigen. Übrigens werden in Großbritannien bereits junge Menschen kriminalisiert, sollten ihre Texte als verletzend und kränkend empfunden werden! Klingt das nicht nach der stalinistischen Sowjetära?
Bald, davon können Sie ausgehen, werden Arbeitslose in die „IT“-Branche abgeschoben, wo sie als „Blockwächter“ ihren Dienst versehen. Mit Schlagworten wie „Kampf gegen Hassrede und Fake-News“ wird die reale und virtuelle Meinungsfreiheit Stück für Stück eingeschränkt. Wir müssen uns immer vor Augen halten, dass die Arbeit der Zensoren schon immer als „notwendig“ für das Wohl der Gemeinschaft erachtet wurde. Jede politische Führung in autoritären Systemen hat „Hassrede“ unter Strafe gestellt – es sei denn, der Hass traf den politischen Feind. So ist es beispielsweise heutzutage erlaubt (und zuweilen sogar opportun), weiße Amerikaner christlichen Glaubens lautstark zu „hassen“ und Kritiker der „linksliberalen“ Agenda („Nazis und Faschisten!“) auch mit Gewalt zum Schweigen zu bringen. Während also die Frauen gegen die Männer, die Globalisten gegen die Nationalisten, die Farbigen gegen die Weißen aufgebracht werden, verüben die Eliten ihre Verbrechen, machen illegale Kriege, schränken die bürgerlichen Freiheiten mit neuen Gesetzen immer weiter ein und trachten danach, die Menschen noch tiefer in die Schuldabhängigkeit zu treiben.
Die Ironie, wenn man so will, ist die, dass Star Wars: Eine neue Hoffnung die damalige politische Lage akkurat dargestellt hat. Dieses dunkle Imperium war freilich nicht Moskau, sondern Washington und Darth Vader nicht ein sowjetischer Funktionär, sondern ein amerikanischer Berater von Präsident Jimmy Carter (der übrigens noch im hohen Alter zur Einsicht gekommen ist, dass die USA eine Oligarchie sind) mit Namen Zbigniew Brzeziński. Er war es, der Ende der 1970er Jahre die famose Idee hatte, muslimische Söldner anzuheuern, auszubilden, auszurüsten und nach Afghanistan zu schicken, um dort Terroranschläge zu verüben und für ein blutiges Chaos zu sorgen. In Syrien ist es zuletzt nicht anders gewesen. Same shit, different smell, wenn man so will. Bezüglich Afghanistan hier nachzulesen, bezüglich Syrien hier.
Die Tochter von Darth Brzeziński moderiert übrigens die amerikanische TV-Show „Morning Joe“ auf MSNBC. Prinzessin Leia ist sie freilich keine. Eher Captain Phasma.
*) Noch 1999, zu Beginn des Kosovo-Krieges, rief der deutsche Bundeskanzler Schröder dazu auf, „eine friedliche Lösung im Kosovo auch mit militärischen Mitteln durchzusetzen“. Dieser Trick, um illegale Angriffskriege der Bevölkerung „schmackhaft“ zu machen, funktioniert leider immer noch. Siehe Libyen. Siehe Syrien. Siehe Yemen.

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