Alle Wege führen nach Peking oder Ouvertüre zu „Eine Welt in Flammen“ #ukraine #russland #china #usa #europa

By

Der Drohnenangriff auf den Kreml hat den nächsten Akt im Ukrainekonflikt – der tatsächlich eine existenzielle Auseinandersetzung zwischen Ost und West ist – eingeläutet. Washington, London und Brüssel mussten sehr bald bestürzt feststellen, dass Moskau mit den zur Verfügung stehenden Mitteln – Sanktionen, Propaganda, Waffenlieferungen, Ausbildungsprogramme, nachrichtendienstliche Hilfe usw. – nicht in die Knie zu zwingen ist. Mehr noch, da Präsident Putin klargemacht hat, dass es sich bei diesem Konflikt um eine existenzielle Bedrohung für die Integrität Russlands handelt, würde eine militärische Niederlage niemals akzeptiert werden, was nichts anderes heißt, dass der Kreml bereit ist, den „roten Knopf“ zu drücken und der Ukraine den Krieg zu erklären. Noch handelt es sich um eine russische Militäroperation (SMO), die operativ-logistische als auch juristische Auswirkungen hat, die an der Front als auch im Hinterland einschränkend wirkt. Vergessen wir nicht, dass dem Kreml nicht daran gelegen ist, ein Brudervolk auszulöschen und verbrannte Erde zu hinterlassen (vgl. dazu die Konflikte in Irak, Libyen, Syrien, Serbien usw.). Es steht für alle Beteiligten viel auf dem Spiel, der Einsatz wird mit jedem Tag höher. Der immer abwägende und pragmatisch denkende russische Präsident weiß um die Gefahr der Eskalation und lässt sich durch Provokationen und Nadelstiche nicht aus der Ruhe bringen. Die westliche Elite gießt deshalb immer mehr Öl ins Feuer. Wie lange mag es dauern, bis die ganze Welt in Flammen steht?

»Die Atombombe, bekümmert dich das? Ich möchte doch nur,
dass du im großen Stil denkst, Henry, Herrgott noch mal! Die einzige Stelle, an der wir unterschiedlicher Meinung sind, hat mit der Bombardierung zu tun. Du bist so gottverdammt besorgt um die Zivilisten und mich scheren die einen Dreck. Die sind mir egal.«

Präsident Richard Nixon
Tonbandaufnahme, White House
April 1972

Es gibt de facto nur einen einzigen Ausweg für Washington, um einen Sieg Russlands zu verhindern, nämlich Peking von Moskau zu lösen, sei es mit wirtschaftlichem Zuckerbrot, sei es mit operativ-militärischen Peitschenschlägen. Die chinesischen Ambitionen sind primär auf wirtschaftliche Koexistenz gerichtet und Pekings Elite fürchtet nichts mehr, als am Welthandel behindert oder gar ausgeschlossen zu werden. Die „Road and Belt„-Initiative, die einen Gütertransport nach Europa über Land vorsieht, ist immun gegenüber US-Blockaden an der chinesischen Küste. Deshalb versucht Washington, jene Länder, durch die die neue „Seidenstraße“ führt, zu destabilisieren, um dieser chinesischen Handelsroute Steine in den Weg zu legen. Aber diese Einflussnahme bleibt Strohfeuer und hat keine langfristigen Konsequenzen. Deshalb wird Washington eine weitere Front in Asien eröffnen, um China aus der Bahn zu werfen. Vorerst bleibt es bei Drohungen, vorerst bedient man sich der US-Alliierten (Japan, Südkorea, Taiwan), um Druck aufzubauen und ein Konfliktszenario an die Chinesische Mauer zu malen. Deshalb diese im Zeitraffer abgespulte diplomatische Weltreise der Chinesen (und der Russen), die alles daransetzen, die Gunst vieler Staaten in Ost und West mittels wirtschaftlichen und finanziellen Zugeständnissen zu erwirken. Das kann freilich Washington nicht gutheißen und interveniert. Es kommt deshalb nicht von ungefähr, wenn beispielsweise im Sudan bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen, hat die Regierung seinerzeit einem russischen Militärhafen zugestimmt, was Washington natürlich mit allen Mitteln verhindern möchte. Was wir also in naher Zukunft vermehrt sehen werden, sind Stellvertreterkriege (proxy wars). Zieht man noch die NATO-Operation Gladio in Betracht, dann werden jene Staaten, die sich Russland und China nähern wollen, mit Terroraktionen überflutet oder mit Bürgerunruhen konfrontiert. Das gilt im Besonderen für die Alliierten Washingtons.

»We are entering a period of potential international instability«

Armeegeneral Mark Milley, Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff, verglich [am 5.5.2023 bei einer Rede] die gegenwärtige Ära mit anderen großen geopolitischen Umwälzungen in der Weltgeschichte, darunter der Fall Roms und der Zusammenbruch der Sowjetunion.

George Orwell hatte es prophetisch vorausgesehen, dass es zum Konflikt zwischen dem Westen und Asien (einmal Russland, einmal China) kommen würde. Vermutlich lag es nach dem Ende des 2. Weltkrieges auf der Hand, dass ein US-Imperium kein anderes dulden würde und es nur eine Frage der Zeit sei, bis Russland und China aus ihrem rot gefärbten Dornröschenschlaf erwachen.

Europa, es steht zu befürchten, wird in diesen geopolitischen Umwälzungen zerrieben werden. Hält es an der Allianz mit Washington fest, wird es in die Konflikte hineingezogen – seien diese militärisch oder wirtschaftlich. Gleichzeitig muss es zu Spannungen innerhalb der EU kommen – was wiederum zu einem gefährlichen „you are with us or against us“ führt und damit zu innereuropäischen Zerwürfnissen. Bereits jetzt kommen scharfe Töne aus Brüssel gegenüber einem aufmüpfigen Ungarn und einem russenfreundlichen Serbien, als auch gegenüber einer „viel zu neutralen“ Türkei („Erdogan must go„); Moldawien genauso wie Belarus sind längst im Fadenkreuz.

Das Zünglein an der Waage werden die europäischen Bürger sein, die bei all diesem geopolitischen Wahnsinn nur verlieren können. Unruhen und Ausschreitungen (man blicke nach Frankreich) müssen unweigerlich zunehmen, und es ist nur der willfährigen Medienlandschaft zu verdanken, dass die breite Masse in Zaum gehalten wird. Kein Wunder also, wenn demokratisch gewählte Regierungen daran gehen, die Meinungsfreiheit einzuschränken, alternative Medienkanäle zu sperren und Verlautbarungen der „Gegenseite“ zu zensurieren, um nicht Gefahr zu laufen, von einer Flutwelle der Empörung hinfort gespült zu werden.

Die Vereinigten Staaten wiederum stehen an der Schwelle eines Umbruchs, im Inneren wie im Äußeren. Die Konfrontation zwischen Trump und Biden in der Wahl 2020 und die damit verbundenen juristischen Auseinandersetzungen auf bundesstaatlicher Ebene hatten bereits Anflüge einer erneuten Sezession. Dabei ist zu beachten, dass die USA ohne eine globale US-Dollar-Leitwährung (und damit ausländischem Geldsegen) auseinanderbrechen muss (Texas denkt bereits laut über eine eigene Währung nach). Durch die De-Industrialisierung, die mit der Globalisierung in den 1970ern begonnen hatte, ist die amerikanische Wirtschaft nun mit einem Kartenhaus vergleichbar. In diesem Jahr sind bereits drei große US-Banken in Schieflage geraten. Um einen Kollaps des Finanzsystems zu verhindern, werden erneut Unsummen in die Hand genommen. Die Rezeptur hat sich seit der Finanzkrise von 2008 nicht geändert: bail-out all jener Institutionen, die too big to fail sind. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass es mit dem Beginn des Ukrainekonflikts vor einem Jahr geringeres Interesse an neu aufgelegten Bundesschatzscheinen gibt (Washington hat freilich Möglichkeiten, freundlichen Marktteilnehmern ein Angebot zu machen, das diese nicht ablehnen können).

Was wird die nahe Zukunft bringen?
Viele Stellvertreterkonflikte im Inneren wie im Äußeren, die auch Europa nicht verschonen werden. Das kleine Österreich, das der Welt (und seinen Bürgern) immerwährende Neutralität vertraglich versprochen hat, wird früher oder später vor die Wahl gestellt: Wähle eine Seite oder … Choose your side or else!

***

tldr: Die Ouvertüre zum 3. Weltkrieg hat bereits begonnen.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..