EM 2024: Halbfinale #Fußball

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Spanien : Frankreich 2:1
Niederlande : England 1:2

Spanien : Frankreich 2:1

Olé. Als Kolo Muani in der 9. Minute zum 1:0 für Frankreich einköpft, musste man das Schlimmste befürchten. Keiner will Deschamps schnarchnasige Defensivtaktik gucken müssen – drei Rabauken im Mittelfeld (Rabiot, Tchouameni und Kanté) machen das Zentrum dicht und zerstören jedes Aufbauspiel der Spanier. Gottlob nimmt sich der 16-jährige Lamine Yamal 12 Minuten später ein Herz und schlenzt den Ball ins Kreuzeck zum 1:1. Das Tor ist eine Wundertüte, gibt es zuvor noch von Yamal eine Körpertäuschung, die die französische Abwehr ins Leere laufen lässt. Muss man gesehen haben, um es zu glauben. Keine fünf Minuten dauerte es, bis Olmo auf 2:1 stellt. Beeindruckende Ballbehandlung des Leipzig-Spielers. Von da an versuchen die Franzosen zaghafte Vorstöße. Mbappé kommt zu der einen oder anderen Chance, macht aber daraus wenig bis gar nichts. Wie zu erwarten, fehlt den Franzosen einerseits die Kreativität, die Griezmann einst ins Team brachte und andererseits die Torgefahr eines in guter Verfassung spielenden Mbappé. Kurz und gut, die Équipe Tricolore musste früher oder später ins Straucheln kommen, zu sehr hängt das Spiel von Mbappé ab. Die Franzosen können nur hoffen, dass der Superstar bei Real Madrid wieder in Form kommt. Trainer Luis de la Fuente hat es geschafft, eine Mannschaft aus hochkarätigen Einzelspielern zu formen und hat dabei auf die Balance zwischen Erfahrung (Rodri, Morata, Carvajal) und Talent (Pedri, Williams, Yamal) geachtet. Das frisch-freche Offensivspiel der Spanier ist ein Segen für den Fußball. Von der Furia Roja dürfen wir Großes erwarten.

Niederlande : England 1:2

Als Xavi Simons in der 7. Minute die Niederländer in Führung brachte – ein Weitschuss, der nicht unhaltbar schien – musste man bereits das Schlimmste für die Three Lions und Trainer Southgate befürchten. Aber, seltsam, trotz des Rückstandes spielten die Engländer zum ersten Mal in diesem Turnier frech darauf los. War diese spielerische Befreiung einzig einer taktischen Umstellung geschuldet? Flügelstürmer Saka rutschte in die Position eines Wing Back, also eines offensiven Außenverteidigers, somit gab es Platz für Foden im offensiven rechten Mittelfeld, hinter Stürmer Kane, der wieder einmal überall und nirgends zu finden war. Foden hatte auch die größten Spielanteile in der ersten Halbzeit – sein Weitschuss klatschte ans Lattenkreuz. Respekt. Der Ausgleich nur zehn Minuten später, ein diskussionswürdiger Elfmeter, durchaus gerecht. Die Niederländer ohne Ball wirkten oftmals wie ein verschreckter Hühnerhaufen, was zur Folge hatte, dass die englischen Ausnahmespieler jenen Raum bekamen, der sie so gefährlich macht. Erst mit der Auswechslung des verletzten Stürmers Depay mit Mittelfeldspieler Veermann wurden die Räume geschlossen. Die zweite Halbzeit zeigte dann wieder die allseits bekannte englische Mannschaft, die zaghaft, zögerlich, oftmals gar ängstlich agierte und einfach nicht in die offensiven Gänge schalten konnte. Man fragt sich, woran es liegt? Zugegeben, die Gegnerschaft im Turnier mit tiefen Defensivblöcken und schnellem Umschaltspiel konnten einen das Fürchten lehren. Ist der Druck auf den Spielern so groß, dass sie zu durchschnittlichen Fußballspielern mutieren, die sich aber in seltenen Augenblicken ihrer Größe bewusst werden? Der Siegestreffer, Minuten vor dem Schlusspfiff durch den Einwechselspieler Watkins, kam aus dem Nichts. Einzelleistung. Wieder einmal. Ballannahme im Strafraum. Drehung. Schuss. Durch die Beine des Verteidigers ins lange Eck. Die Teamleistung der Engländer in der zweiten Hälfte mäßig, wenngleich Palmer und Watkins – Kane und Foden mussten gehen – frischen Wind brachten. Alles in allem wird man aus dieser Mannschaft nicht schlau. Sind es hochkarätige Einzelspieler, die ohne Plan und Ordnung auf dem Platz herumlaufen, in der Hoffnung, dass der eine oder andere Superstar die entscheidende Wundertüte öffnet? Sitzt die Angst vor der nächsten Niederlage so sehr in den Köpfen und Beinen, dass die Spieler unmöglich befreit aufspielen können? Sehen wir im Finale ein anderes England? Es ist zu hoffen. Vielleicht ist es an der Zeit, die jungen Wilden von der Leine zu lassen? Der junge Mainoo hat keine Angst, seine defensive Mittelfeldposition aktiver und offensiver auszulegen – er steckt Bellingham und Rice mental locker in die Tasche. Palmer, Watkins, Toney und (der noch immer nicht eingesetzte Gordon) würden frischen Wind bringen. Freilich, jetzt, im Finalspiel, ist es zu spät für solch eine fußballerische Mutprobe. Schade. In diesem Team steckt jenes Potenzial, das die Spanier mit dem ersten EM-Spiel bereits abrufen konnten. Aber der Wunsch nach einem Titel lässt Southgate keine Wahl: lieber ängstlich und grottig über 90 oder 120 Minuten kicken und dafür siegreich vom Platz gehen, als besten Fußball zu bieten und verlieren. Man stelle sich vor, die Franzosen wären ins Finale eingezogen. Mon dieu. Dann hätten wir ein Finale der größten Angsthasen des Weltfußballs erlebt. Sorry lads, aber das will bitteschön keiner.

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