11. November 1918: Ein bisschen Frieden und die Täuschung einer ganzen Welt

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Heut vor 106 Jahren ging der Große Krieg, der später als 1. Weltkrieg in die Geschichtsbücher eingehen sollte, zu Ende. Viel gäb’s über diesen europäischen Bürgerkrieg zu schreiben, der eine neue Weltordnung in Ost und West einläuten sollte. Was uns der Krieg letztlich vor Augen geführt hat, ist die brutale Skrupellosigkeit von Regierungen und Machthabern, Lüge für Wahrheit auszugeben und die eigene genauso wie die fremde Bevölkerung zu täuschen. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Der damalige britische Premierminister Lloyd George schreibt in seinen Memoiren: »Die [Front]Berichte, die an die Minister weitergeleitet wurden, waren, wie wir alle erkannten, als es zu spät war, grob irreführend. Die Siege wurden weit überbewertet. Tatsächliche Niederlagen wurden als Siege dargestellt, wie gering auch immer das Ausmaß war. Unsere eigenen Verlustzahlen wurden als gering, die feindlichen als haushoch angeführt. Das war die Art und Weise, wie die Militärbehörden den Ministern die Lage darstellten – das war ihre aktive Propaganda in der Presse. Alle beunruhigenden und entmutigenden Tatsachen wurden in den Berichten, die das Kriegskabinett von der Front erhielt, unterdrückt – jedes glänzende Bisschen eines Erfolges wurde uns großspurig präsentiert.«

Im Jahr 1920 schreibt der damalige Generalsekretär der britischen Labour Partei Herbert Morrison in einem Artikel: »Alle Regierungen der kriegführenden Nationen täuschten ihre Bürger und ihre Soldaten in betrügerischer Absicht. Sie gründeten zu diesem Zweck Propagandaabteilungen und bezahlten Männer aus öffentlichen Geldern, um ihre Mitmenschen durch das gesprochene und geschriebene Wort zu täuschen. Die Regierung unterdrückte die Wahrheit, genauso wie Zeitungen, Bücher und Organisationen, und sperrte gute und unschuldige Menschen ein. […] Nie wieder dürfen die Führer der Arbeiterschaft oder ihre Basis so schlecht informiert sein und so wenig Verantwortungsgefühl haben, dass sie die Erklärungen von Regierungen (gleich welcher Partei), die das Land in einen Krieg führen wollen, ohne kritische Analyse akzeptieren.«

Woodrow Wilson, US-Präsident (1913-1921) schreibt in seinem Buch The New Freedom: A Call for the Emancipation of the Generous Energies of a People (1913): »Seit ich in die Politik gekommen bin, haben sich mir immer wieder Männer anvertraut. Einige der größten Unternehmer der Vereinigten Staaten haben vor etwas Angst. Sie wissen, das es da irgendwo eine Macht gibt, die so organisiert, so subtil, so wachsam, so verzahnt, so vollständig, so durchdringend ist, dass sie besser nur flüstern, wenn sie darüber sprechen.«

Der amerikanische Entrepreneur und Stahltycoon Andrew Carnegie schreibt in seinem Buch Democracy: Sixty Years’ March of the Republic (1893) über Großbritannien, dass »sechs oder sieben Männer das Land in den Krieg stürzen oder es in eine Allianz verstricken können, ohne dabei das Parlament konsultieren zu müssen.«

Industrieller Walther Rathenau (1867-1922), sein Vater gründete u.a. die AEG, schreibt in einem Brief an die Tageszeitung Freie Neue Presse im Jahre 1909: »Auf dem unpersönlichsten, demokratischsten Arbeitsfelde, dem der wirtschaftlichen Führung, wo jedes törichte Wort kompromittieren, jeder Mißerfolg stürzen kann, wo das souveräne Publikum einer Aktionärsversammlung satzungsgemäß über Ernennung und Absetzung entscheidet, hat im Laufe eines Menschenalters sich eine Oligarchie gebildet, so geschlossen wie die des alten Venedig. Dreihun­dert Männer, von denen jeder jeden kennt, leiten die wirtschaftlichen Geschicke des Kontinents und suchen sich Nachfolger aus ihrer Umgebung.«

— Original-Wortlaut—

»The reports passed on to the Ministers were, as we all realised when it was too late, grossly misleading. Victories were much overstated. Virtual defeats were represented as victories, however limited their scope. Our casualties were understated. Enemy losses became pyramidal. That was the way the military authorities presented the situation to Ministers — that was their active propaganda in the Press. All disconcerting and discouraging facts were suppressed in the reports received from the front by the War Cabinet — every bright feather of success was waved and flourished in our faces.« 

In 1920, Herbert Morrison was Secretary of the London Labor party. In an article he wrote: »All the governments of all the warring nations delibaretly deceived their citizens and their fighting men. They founded propaganda departments for this special purpose, paying men out of public funds to deceive their fellows by the spoken and written word. The government suppressed truth, newspapers, books, and organizations, and imprisoned good men and true. […] Never again shall leaders of labor or their rank and file be so ill-informed and so lacking in a sense of responsibility as to accept without critical analysis the statements of governments (of whatever party) who desire to lead the country into a war.«

»I have entered politics, I have chiefly had men’s views confided to me privately. Some of the biggest men in the United States, in the field of commerce and manufacture are afraid of something. They know there is a power somewhere so organized, so subtle, so watchful, so interlocked, so complete, so pervasive, that they better not speak above their breath when they speak in condemnation of it.«

»[…] six or seven men can plunge the nation into war, or, what is perhaps equally disastrous, commit it to entangling alliances without consulting Parliament at all.«

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