Zwei Tastaturen, zwei Gefühlswelten: Logitech MX Keys vs. mechanischem custom keyboard

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Heute habe ich mir die bestellte Logitech MX Keys Tastatur abgeholt. Mein „alte“ Cherry KC 6000 Slim hat mich zur Weißglut gebracht. Keine Hintergrundbeleuchtung, das Tippgefühl war mir zu eckig, und wie oft habe ich meine Finger falsch angesetzt und Blödsinn getippt. Ja, ein Autor muss auf Du und Du mit seiner Tastatur sein. Freilich, eine neue Tastatur auszuwählen, ist heutzutage gar nicht einfach. Je mehr Fokus und Gewicht man darauf legt, umso schwieriger scheint die Wahl zu werden. Am Beginn meines PC-Zeitalters gab es zwei Arten von Tastaturen: billiges Klumpert und mechanische Cherry Büro-Tastaturen, die ewig hielten. Und auf eine dieser Büro-Ungetüme habe ich in meinem Autoren-Dasein zigtausende Seiten geschrieben. PS/2-Anschluss inklusive.

Ich tippe diese Zeilen auf der Logitech MX Keys vom Typ Rubber Dome, das heißt (kostengünstige) Membran-Tastatur! Geht ganz gut, auch wenn mir die Leichtgängigkeit einer Laptop-Tastatur fehlt. Überraschenderweise tippe ich nämlich auf meinem Huawei-Laptop dahin, als gäb’s kein Morgen. Keyboard-Enthusiasten schlagen jetzt die Hände über den Kopf zusammen, ist eine Membran-Tastatur unpräzise und zuweilen schwammig, aber was soll’s. Für mich ist es nun einmal von größter Bedeutung, dass der Gedankenstrom so schnell wie möglich zu Papier gebracht werden kann. Eine Tastatur, die mich hemmt und blockiert, gehört sofort auf den Abfall geworfen.

Gestern war es, als mir CV. seine selbst gebauten Tastaturen (custom keyboards) vorführte. Dahingehend gibt es nämlich ungeahnte Möglichkeiten und der Laie staunt, wie viel Geld man für eine banale Tastatur ausgeben kann. Freilich, banal ist dann gar nichts mehr, vielmehr geht es um Perfektion, vom Tippanschlag, dem Feedback jeder Taste, dem Tipp-Feeling und natürlich dem Tipp-Geräusch. Ich konnte nicht umhin, mir eines seiner Keyboards auszuborgen. Sollte ich daran Gefallen finden, dann heißt es, tief in die Tasche zu greifen und in die Zukunft des Tippens zu investieren.

Jetzt habe ich zum mechanischen custom keyboard gewechselt. Das Tippen fühlt sich hochwertig an. Natürlich. Das Geräusch ist wie zu erwarten klicky, auch wenn die verbauten Switches tactile sind, das heißt, es gibt einen spürbaren Widerstand und damit Auslösepunkt. Blöd, dass es nur wenige custom keyboards mit einem NumPad (100 %). In der Fachsprache heißt das dann TKL oder tenkeyless, also zehn Tasten weniger. Als ehemaliger BackOffice-Mitarbeiter fand ich schnell Gefallen am Ziffernblock, wo die Finger ganz selbstverständlich die Zahlen tippen. Den Ziffernblock kann man sich natürlich auch separat dazustellen, bedeutet aber ein Klumpert mehr am Schreibtisch, samt Verkabelung.

Das (blinde) Schreibmaschinenschreiben ist im besten Fall eine völlig verinnerlichte Tätigkeit und alles, was dieser Verinnerlichung widerstrebt, bedarf einer Gewöhnungsphase, die anfänglich als unangenehm und störend empfunden wird. Aber ist die Gewöhnungsphase abgeschlossen, tippt man wie eh und je hübsch dahin. Es sei denn, es gibt Hürden, die nicht und nicht überwunden werden können. Dann heißt es, zurück zum Anfang.

Gegenwärtig habe ich mir angewöhnt, auf sehr flachen Keyboards zu schreiben. Dieses keyboard ist hingegen recht hoch, weshalb Tippen ohne Auflage anstrengend ist. Ich merke es. Auch ist mehr Kraft erforderlich, dafür ist der Anschlag wie zu erwarten präzise (aber ich hätte es gerne noch präziser).

Aber Vorsicht! Beginnt man sich zu sehr in Details zu verlieren, dann wird man womöglich nicht mehr froh, denn die perfekte Tastatur wird es niemals geben, immer ist ein Kompromiss nötig. Ich werde jedenfalls die nächsten Tage auf dieser und jener tippen, werde mir klar werden, wohin die Reise geht. Das klicky klacky finde ich jetzt gar nicht mehr so störend, wie ich es anfänglich erwartet hätte. Aber auch da gibt es beinah unendlich viele Variationen, je nach Switches, Dämpfern und weiß Gott was alles noch. Guckt man sich ein YouTube-Video darüber an, erfährst du die Dimensionen des Machbaren.

Für europäisch-deutsche Schreiberlinge, die ans ISO-Layout gewöhnt sind, ist die Auswahl an custom keyboards begrenzt. Für gewöhnlich wird das ANSI-Layout (USA) verbaut, damit gibt es eine Taste weniger und die Beschriftung auf den Tastenkappen stimmt nicht mehr überein, dafür ist die linke Shift-Taste größer. Tragödien sehen anders aus, kann man nämlich jede Taste neu belegen. Was mir auffällt bei dieser mechanischen Tastatur, die als einigermaßen hochwertig anzusehen ist: man fühlt sich gut aufgehoben und freut sich, in die Tasten zu greifen. Vermutlich geht es Pianisten ähnlich, wenn sie sich an einen Bösendorfer-Flügel setzen. Beim ANSI-Layout ist auch die rechte Enter-Taste „halbiert“, das heißt schmaler. Ich merke es deshalb, weil ich hie und da zu hoch ansetze und damit die falsche Taste treffe.

Ich könnte mir natürlich meine Tastatur selber zusammenbauen. Ist keine Hexerei, auch wenn damit noch lange nicht gesagt ist, dass man am Ende jenes Keyboard erhält, das man sich wünscht. Alles ist Feeling. Du kannst dir hundert Artikel durchlesen, Dutzende YouTube-Beiträge anschauen, das Feeling wirst du dadurch nicht erfahren. Ich habe das große Glück, dass mir CV. eines seiner custom keyboards borgte. Wie sonst hätte ich einen ersten Eindruck bekommen können?

Mein vorläufiges Resume: Die Logitech ist als Arbeitspferd (Ziffernblock) anzusehen, sozusagen das elektronische Piano unter den keyboards, das sich keine großen Schwächen leistet und als Besonderheit einen Bewegungssensor aufweist, der die Hintergrundbeleuchtung einschaltet, sollten sich die Hände dem Keyboard nähern. Schade, dass es die Tastatur nicht kabelgebunden gibt. Ich bin nämlich kein Freund von Drahtlosempfängern. Das custom keyboard (tactile) wiederum, das ich gerade verwende, ist ein klassisches Klavier, wenn auch als Einstiegsmodell anzusehen. Es gäbe demnach noch Luft nach oben. Unbedingt möchte ich lineare Switches ausprobieren, die ebenfalls mechanisch sind, aber keinen Widerstand zurückgeben und damit eher dem Membran-Tastatur-Feeling ähneln. More to come!

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