Exakt vor fünf Jahren war es, als mich die Inspiration besuchte. Das Jahr 2021 stand noch immer im Zeichen der Covid-19-Pandemie, und aus dem von oben verordneten Ansuchen einer 14-tägigen „Flatten the Curve“-Zurückhaltung in der Bevölkerung wurde der nicht enden wollende Ausnahmezustand ausgerufen. Deshalb stand am Anfang der Geschichte die Frage im Raum, wie sich die Zuneigung zweier Menschen in Zeiten größter Distanz überhaupt entfalten würde können. Die Technologie machte es natürlich möglich, per Video-Telefonie, Messages und Audio-Nachrichten eine Form von Nähe zu erzeugen. Aber wäre dieses virtuelle Beisammensein überhaupt ausreichend, um Gefühle entstehen lassen zu können? Während der gewöhnliche Bürger mit besonders perfider Raffinesse in Angst und Schrecken versetzt wurde, haben Wissenschaftler und Politiker Parties gefeiert und Liebschaften besucht. Damals wusste ich von dieser Zwei-Klassen-Gesellschaft freilich noch nichts.
Die Liebesgeschichte, die ich schrieb, sollte sich schlussendlich als Illusionsmalerei entpuppen. Den Anfang macht ein Brief, der den Wunsch einer Annäherung in sich trägt. Leise. Dezent. Aber nicht zu überlesen. Was folgt, ist ein Aufschaukeln der Gefühlsvielfalt, ausgelöst durch die mögliche Möglichkeit, durch die aufkeimende intensive Beziehung, sich der Fesseln der pandemischen Zwangsverordnungen und dem Wahnsinn des Alltags, wenigstens für eine Weile, zu entledigen. E., der eigentlich R. ist, sehnt sich nach Freiheit und glaubt in A., die eigentlich P. ist, seine Retterin zu finden. Das gilt natürlich auch umgekehrt. So werden beide Protagonisten zum Retter und zum Geretteten. Aber der Alltag, banal und lustlos, lässt ein „frei sein“ niemals zu. Darin liegt die Essenz der Geschichte, die immer Fiktion bleiben muss, egal wie sehr man sie auch leben möchte.
Mit dem Ende des von oben verordneten Unsinns löst sich das Wunder der Illusion und damit der intensive Wunsch nach Nähe auf. Zurück bleiben zwei Menschen, ein Mann und eine Frau, nicht mehr Junge, nicht mehr Mädchen. Während der eine noch sehr lange an den bunten Fetzen der Illusion festhält, lässt die andere den Rollladen der Fiktion herunter und schließt mit der Vergangenheit ab.
Die Pandemie, die keine war, hat in ihnen das Wunderbarste ausgelöst.

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