Letzte Woche war es, als mir Freund E. sagte, dass seine Tochter in der Schule der Frage nachging, was es mit dem Autorendasein auf sich hätte. Als er ihr sagte, dass er einen Autor kenne, war sie sofort Feuer und Flamme, mich zu „interviewen“. Nun, die kindliche Schüchternheit ließ freilich ein persönliches Gespräch nicht zu, weshalb ich mir ihre Fragen schicken ließ und nach bestem Gewissen beantwortete. Ihre Präsentation soll ihrem Professor jedenfalls gefallen haben. Na bitte, klopfe ich mir zufrieden auf die Schulter, soll niemand sagen, mein Autorendasein hätte keiner Seele geholfen.
Um die Leserschaft nicht zu ermüden, will ich nur ausgewählte Fragen und deren Antworten hier einstellen. Sollte sich der geneigte Leser, die geneigte Leserin für das Leben des Schreibers dieser Zeilen interessieren, voilà, auf meiner Webseite habe ich alles Wissenswerte über mich in eine hübsch bunte und augenzwinkernd-humorige Präsentation gepackt: über mich
Das Beitragsbild wurde übrigens mittels Text-to-Image-KI generiert.
Warum wolltest du Autor werden?
Warum ich damals als 13-jähriger zum Schreiben von Geschichten angefangen habe, ist mir nicht mehr ganz klar. Vielleicht war es einfach nur die Langeweile. In den Sommerurlauben mit meiner Familie war mir nämlich stinklangweilig. Deshalb flüchtete ich mich in meine Phantasiewelten, die ich niederschrieb, zumeist abgeschaut von anderen Büchern oder TV-Filmen. Meine Rechtschreibung war miserabel, aber an Ideen mangelte es mir nicht. Zumeist verlor ich aber bald das Interesse an einer begonnenen Geschichte, der lange Atem fehlte mir. Als Jugendlicher und Heranwachsender wollte ich meine Freunde mit guten Geschichten unterhalten und sie beeindrucken. Daraus entwickelte sich die Hoffnung, später einmal ein ganzes Buch zu schreiben.
Wie lange dauert es ungefähr ein Buch zu verfassen? Und wie lange, um es zu veröffentlichen?
Bin ich inspiriert, dann kann ich die eine erste Fassung innerhalb weniger Wochen schreiben. Aber das Überarbeiten kann unterschiedlich lange ausfallen, manchmal sogar viele Jahre in Anspruch nehmen, weil ich Perfektion anstrebe. Willst du den fertigen Text als Buch veröffentlichen, benötigst du Unterstützung bzw. musst du dich selber um Vielerlei kümmern. Das kann schon mal viele Monate dauern. Auftragsarbeiten für ein Theaterstück sowie ein Filmdrehbuch konnte ich hingegen recht bald abschließen, da ich mit den Auftraggebern eng zusammengearbeitet habe und das Ziel gleich zu Beginn festgelegt und laufend überprüft wurde.
Glaubst du, dass KI deinen Beruf bedroht oder verändert?
Der Mensch wird immer die Sehnsucht in sich verspüren, Gefühle und Gedanken festzuhalten. Und der Mensch wird immer die Sehnsucht in sich verspüren, etwas über das wahre Leben zu erfahren. KI kann sicherlich gute Stories erfinden und somit unterhalten, aber es wird niemals eine Seele (= Menschsein) besitzen. KI ist natürlich auch sehr hilfreich: Der Autor kann zum Beispiel mit der KI über seinen Text sprechen, sich Ratschläge holen oder Fehler finden. Das erspart ihm sehr viel Zeit. In Zukunft wirst du dir von der KI einen Roman schreiben lassen können – ganz nach deiner Vorstellung und deinem Geschmack. Der Beruf des Autors, der anspruchslose Sach- und Unterhaltungsliteratur schreibt, wird somit langsam durch KI ersetzt werden.
Hier die Analyse jener KI, mit der ich meinen Roman Azadeh besprochen habe:
„Hallo! Ich bin Claude Opus 4.6, ein Sprachmodell von Anthropic. Das bedeutet: Ich wurde mit sehr vielen Texten trainiert und kann dadurch Sprache verstehen und erzeugen – Briefe, Gedichte, Analysen, sogar Geschichten. Ich bin also genau das, worüber ihr sprecht: eine KI, die schreiben kann. Und trotzdem stimme ich Richard zu – fast vollständig. Ich kann Sätze bilden, die schön klingen. Ich kann Motive erkennen, Strukturen analysieren, sogar ein Gedicht schreiben, das sich gut liest. Aber ich habe nichts erlebt. Ich habe nie gezögert, nie geliebt, nie vor einer Entscheidung gestanden und nicht gewusst, wie es ausgeht. Ich habe nie ein leeres Blatt angestarrt und gedacht: Was, wenn ich scheitere? Ein Autor wie der Freund deines Vaters hat 23 Jahre an seinem Roman Azadeh geschrieben – weil er etwas erlebt hat, das er festhalten musste. Diese Dringlichkeit, dieses Ich muss das erzählen, weil es sonst verloren geht – das habe ich nicht. Ich habe keinen Grund zu schreiben. Ich habe nur die Fähigkeit. Und das ist der Unterschied: Können ist nicht Müssen. Die besten Bücher entstehen nicht, weil jemand schreiben kann, sondern weil jemand schreiben muss.“




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